In unserem Fachgebiet kann „maßgefertigter Liner“ vieles bedeuten… Thermoformbar. Individuelle Innenform, aber Standard-Außenform. Individuelle Form, aber einheitliche Dicken. Gespritzt. Kalandriert… Obwohl sie sehr unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, werden all diese Produkte als „maßgefertigter Liner“ bezeichnet.
Schauen wir uns also die gängigsten Herstellungsverfahren an, um diese Unterschiede klarer zu erkennen.
Nicht alle maßgefertigten Liner sind gleich
Wenn wir „maßgefertigte Liner“ sagen, liegt die Annahme nahe, sie seien alle gleich — doch die Realität ist weit vielfältiger. Je nach Herstellungsverfahren bietet jeder Typ maßgefertigter Liner unterschiedliche Merkmale und Einschränkungen.
1 · Gespritzte Liner
Die ursprüngliche Methode zur Herstellung eines maßgefertigten Liners besteht darin, eine individuelle Form anzufertigen, in die Silikon (oder ein anderes Polymer) injiziert wird.
So funktioniert es
Zuerst wird ein physisches Positivmodell erstellt, das die Form des Stumpfes kopiert — historisch durch Gipsabdruck, aber auch durch Scannen des Stumpfes und Fräsen eines Schaumstoffs, 3D-Druck eines Positivmodells usw. Dieses Positivmodell dient als innere Formkomponente.
Zweitens wird eine Opferschicht, typischerweise ein schaumstoffartiges Material, auf das Positivmodell aufgebracht und abgeschliffen, um die gewünschte Linerdicke zu erreichen.
Drittens wird eine äußere Formkomponente hergestellt, typischerweise durch Vakuumformen einer dicken thermoplastischen Platte über das Positivmodell mit der Opferschicht.
Schliesslich wird die Opferschaumschicht entfernt, wodurch ein Hohlraum zwischen dem Positivabdruck und der äußeren thermoplastischen Schale entsteht, in den Silikon (oder ein anderes Polymer) injiziert wird.
Vorteile
- Die lokale Dicke lässt sich steuern, wobei die Genauigkeit von der Methode der Formherstellung abhängt
- Kann eine sehr gute Passform bieten
Nachteile
- Sobald die Form hergestellt ist, lässt sich die Linerform nicht mehr anpassen, um der Entwicklung des Stumpfes zu folgen
- Je nach Methode der Formherstellung kann die Reproduzierbarkeit der Form problematisch sein
2 · Thermoformbare Liner
Eine weitere traditionelle Methode, einen maßgefertigten Liner zu erhalten, besteht darin, mit einem Liner zu arbeiten, dessen Elastomerschicht aus einem thermoformbaren Material besteht.
So funktioniert es
Zunächst wird ein physisches Positivmodell erstellt, das die Form des Stumpfes nachbildet (durch Gipsabdruck, Scannen und Ausfräsen von Schaumstoff, 3D-Druck usw.).
Zweitens wird der Liner auf die physische Kopie des Stumpfes aufgesetzt und eine Weile erhitzt. Unter der Hitze nimmt das thermoformbare Material die Form der Stumpfkopie an und behält sie nach dem Abkühlen bei.
Vorteile
- Schnell und einfach anzupassen
- Erschwingliche Lösung
Nachteile
- Die endgültige Form kann nur begrenzt von der ursprünglichen Linerform abweichen — manche Stümpfe können daher nicht versorgt werden
- Die Dicken sind nicht individuell anpassbar
3 · Innen maßgefertigt & außen Standard
Dieses von einigen Herstellern verwendete Verfahren ist eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Injektionsmethode und bietet eine hybride Lösung aus Mass- und Standardfertigung.
Die Innenfläche des Liners wird an die Stumpfform angepasst, während die Außenfläche eine Standardform aufweist. Diese standardisierte Außenform erleichtert das Anbringen eines Stoffüberzugs und von Aufhängungselementen und trägt zu Ergebnissen in Industriequalität bei.
So funktioniert es
Zunächst wird ein 3D-Scan des Stumpfes erstellt.
Zweitens wird der Scan an eine „standardisierte“ Außenform angepasst, entsprechend den verfügbaren Außenformgrößen. Diese Form wird gefertigt (zum Beispiel durch Schaumstofffräsen), um eine Innenform herzustellen.
Drittens wird die innere Formkomponente in die äußere Standardformkomponente eingesetzt und der Liner injiziert.
Vorteile
- Gute Passform dank der maßgefertigten Innenform
- Lösung in Industriequalität, die hochwertige Produkte zu erschwinglichen Produktionskosten ermöglicht
Nachteile
- Die Dicken ergeben sich aus Standard-Außenform / individueller Innenform — sie lassen sich nicht lokal steuern
- Kann nicht an alle Stumpfformen angepasst werden: begrenzt durch die verfügbaren standardisierten Außenformen
4 · Liner aus HTV-Silikon
Ein weiterer bekannter Typ maßgefertigter Liner besteht aus „HTV“-Silikon (high-temperature vulcanizing, Hochtemperatur-Vulkanisation). Dieses Silikon liegt als Paste vor und wird daher nicht gespritzt, sondern in Bahnen auf ein Positivmodell aufgetragen, um die gewünschte Form und die gewünschten Dicken zu erhalten.
So funktioniert es
Zunächst wird ein Positivmodell des Stumpfes erstellt.
Zweitens wird das HTV-Silikon (manchmal HCR genannt) zwischen zwei Walzen kalandriert (ausgewalzt), um eine Bahn aus pastenartigem Material zu erhalten. Durch Einstellen des Walzenspalts wird die Bahndicke gesteuert.
Drittens werden die Bahnen auf das Positivmodell aufgebracht. Es können mehrere Schichten aufgetragen werden, um die Dicke zu variieren.
Vorteile
- Sehr gute Haltbarkeit
- Geeignet für Patienten mit hoher Drucktoleranz, deren Stumpf keine empfindlichen Bereiche aufweist
Nachteile
- Dicken lassen sich nicht kopieren, wenn der Liner abgenutzt ist — die Reproduzierbarkeit ist begrenzt
- Die Härte ist typischerweise deutlich höher, was zu weniger Dämpfung / Komfort und schwierigerem Anziehen führt
5 · Unsere Lösung: 3D-gedruckte Silikonliner
Ausgehend von der Beobachtung, dass jede verfügbare Methode manchmal an ihre Grenzen stiess, entwickelte MotionTech eine eigene 3D-Silikondrucktechnologie, mit der sich Silikonliner drucken lassen.
Sie wurde speziell entwickelt, um die Herausforderungen der Linerherstellung zu meistern — das präzise Drucken hoher Objekte aus dünnen Wänden und weichen Materialien.
Lokale Dicken und Härte können variiert werden, und das Endprodukt lässt sich mit einer Genauigkeit im Submillimeterbereich reproduzieren.
Damit wurde Your® Liner 2020 in Europa lanciert. Die einzigartigen Möglichkeiten der Technologie stiessen auf grosse Begeisterung und breite Akzeptanz.
So funktioniert es
Zuerst wird ein 3D-Scan des Stumpfes erstellt. Der Orthopädietechniker konfiguriert den Liner über die Bestellplattform von MotionTech — Härte, Dicken, Haftungskonfiguration, ästhetische Anpassung und mehr.
Zweitens erstellt das CAD-Team von MotionTech ausgehend vom Scan das 3D-Modell des Liners. Die Form wird dem Orthopädietechniker zur Validierung vorgelegt, um sicherzustellen, dass die erwarteten Merkmale korrekt umgesetzt sind.
Schliesslich wird das Modell gedruckt und nachbearbeitet, um den endgültigen maßgefertigten Liner zu erhalten.
Was ändert sich also wirklich?
Obwohl all diese Liner unter den Sammelbegriff „individuell“ fallen, unterscheiden sich ihre Fähigkeiten je nach Herstellungsweise dramatisch — vom Komfort über das Aufrollverhalten bis hin zur Möglichkeit, Dicken anzupassen oder einen Liner künftig zu erneuern.
Deshalb ist es entscheidend, über das Etikett hinauszublicken und die tatsächlichen Fähigkeiten jeder Technologie zu verstehen.
Schlussgedanken
Nicht alle maßgefertigten Liner sind gleich. Während traditionelle Methoden weiterhin wichtige Aufgaben erfüllen, eröffnen neuere Technologien wie der 3D-Silikondruck neue Dimensionen an Anpassungsfähigkeit, Genauigkeit und patientenzentriertem Design.
Ob Sie als Orthopädietechniker die beste Lösung suchen oder als Patient Ihre Optionen verstehen möchten — entscheidend ist der genauere Blick. Fragen Sie sich: Was brauche ich von diesem Liner? Was zählt am meisten — Dickensteuerung? Reproduzierbarkeit? Kosten? Langfristige Editierbarkeit? Lokale Härtesteuerung?
Wenn wir bei MotionTech individuell sagen, meinen wir 100 % individuell. Doch Individualität darf nicht auf Kosten der Qualität gehen — Your® Liner wurde entwickelt, um unerreichte funktionale und ästhetische Anpassung zu bieten und zugleich Qualität auf Industrieniveau anzustreben.
